Начать новую тему Ответить на тему  [ 1 сообщение ] 

W.A.S.P.: Die Suche nach dem Glück (Blackie Lawless - 1997) (на немец.)

 Заголовок сообщения: W.A.S.P.: Die Suche nach dem Glück (Blackie Lawless - 1997) (на немец.)
СообщениеДобавлено: 13 май 2014, 10:38 
Не в сети
Аватар пользователя

Зарегистрирован: 03 май 2014, 16:28
Сообщений: 305
Откуда: Липецк
W.A.S.P.: Die Suche nach dem Glück (Blackie Lawless - 1997) (на немец.)

W.A.S.P.: В поисках счастья (Блэки Лоулесс - 1997)

Interviews, die wir euch nicht vorenthalten wollen - ein Gespräch mit Blackie Lawless aus dem Jahr 1997.

Es wird oft gesagt, dass am Ende eines Weges etwas auf jeden wartet. Aber wer weiß schon wirklich, wie dieser Pfad aussieht? Oder welchen Preis ein jeder bezahlen muss, um diesen Weg zu gehen? Und letztendlich - wie wird das Ende dieser Reise aussehen? All dies sind Fragen, die wir uns wahrscheinlich alle schon gestellt, aber sicherlich keine Antwort darauf gefunden haben. Blackie Lawless hat definitiv einen sehr steinigen Weg in seinem Leben zurücklegen müssen. 1983, als die endgültige Besetzung von W.A.S.P zusammenfand, entschied er sich etwas zu beginnen, das schließlich eine der einflussreichsten und kontroversesten Acts der Rockgeschichte werden sollte. Und er war nicht immer einfach, dieser Pfad zur "Hall of Fame". Während die PMRC und andere Regierungsorganisationen (und andere immer noch) versuchten zu diktieren, welche Kunstform in den Vereinigten Staaten erlaubt werden sollte, versuchte Blackie Lawless seinerseits die Steine aus dem Weg zu räumen, die er sich selbst in den Weg gelegt hatte - seinen unersättlichen Hunger nach etwas. Etwas, das immer noch vor ihm liegt, am Ende des Weges ...

Der Wechsel im Line-up der Band, Chris Holmes ist zurückgekehrt - wie ist es dazu gekommen? War es wie eine Art Heimkehr?

Blackie: Ja. Gott, wir sind seit dem 19. Lebensjahr zusammen, was jetzt 19 Jahre her ist, und ich kenne ihn besser als seine beiden Ex-Frauen zusammen. Ich weiß Dinge über ihn, von denen sie keine Ahnung haben. In vielerlei Hinsicht sind wir wieder dort, wo wir angefangen haben, deshalb ist es sehr interessant. Und vor allem macht es auch wieder sehr viel Spaß. Es ist besser, als ich es mir hätte vorstellen können, und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass es in der Vergangenheit jemals so gut gewesen ist. Wir sind wirklich sehr glücklich.

Ja, ich kann mir vorstellen, dass es besser ist, mit jemandem zusammenzuarbeiten, den man wirklich sehr gut kennt...

Blackie: Ich weiß alles über ihn und er kennt jeden Teil von mir. Ich habe nach seinem Ausstieg mit sehr vielen guten Musikern gearbeitet, mein Problem war aber immer, dass ich nie die richtige Chemie finden konnte, und er fand sie auch nicht. Woran man nie denkt ist, dass es schwer ist, in einer Beziehung - egal, ob es eine Ehe, eine Band oder sonst etwas ist - diese Chemie einmal zu finden; noch viel seltener ist es, sie zu haben, dann zu verlieren, sie letztendlich aber wiederzubekommen, das ist fast unglaublich. Wir sehen es jetzt so, dass wir sehr viel Glück hatten. Wir respektieren es jetzt, was wir zuvor nicht getan haben. Nun ist es so, dass wenn jemand den anderen zu sehr drängt, man weiß, wo man aufhören muss. Das war vorher nicht so. Es ist viel besser jetzt.

Man weiß die Dinge immer erst wirklich zu schätzen, wenn man sie zuvor einmal verloren hat ...

Blackie: Absolut richtig, yes, yes, yes.

Um noch einmal auf die Kooperation zu sprechen zu kommen - der Sound auf dem Album, die Produktion, ist ziemlich anders im Vergleich zu den vorhergehenden ...

Blackie: Wie gut kennst Du unsere frühen Platten?

Ganz gut, glaube ich ...

Blackie: Die B-Seiten unserer alten Sachen?

Nein ...

Blackie: Du solltest Dir das noch einmal anhören. Es war wirklich lustig. Ich habe vor einigen Monaten ein Interview gemacht und mir sagte jemand: 'Klingt ziemlich Industrial-mäßig', und ich antwortete: 'Oh, wirklich? Danke, dass du das erwähnst, denn vor 12 Jahren, als wir das schon gemacht haben, fanden wir keine Bezeichnung dafür, weil es die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab'. Wir machten also Speed Metal, Industrial, und wir wussten nicht, wie wir es nennen sollten, weil die Bezeichnungen dafür noch nicht erfunden waren. Was wir jetzt machen, kommt dem ersten Album am nächsten. Für mich gibt es diesbezüglich keine Zweifel. Es war ein bewusster Versuch, zu dem zurückzukehren, mit dem wir begonnen hatten - nicht das erste Album, sondern die ersten Aufnahmen, die wir je gemacht haben, und dieses jetzt kommt dem sehr, sehr nahe. Ich wusste, dass einige Leute, die erst während der "Headless Children"-Ära Fans der Band wurden, sagen würden: 'Na ja, das ist ziemlich anders'. Ja, ist es, aber auch wieder nicht. Wir haben darüber gesprochen, dass man wieder da ist, wo man angefangen hat, jetzt, da er und ich wieder zusammen sind und viele Dinge wieder so sind, wie sie zu Beginn waren. Ich weiß, dass es von meinem Standpunkt aus eine sehr romantische Vorstellung ist, zurückzugehen und etwas so zu wiederholen, wie man es beim ersten Mal gemacht hat. Und es macht Freude. Was aber die Meinungen anderer Leute betrifft, wie sie das ganze auffassen - du hast tausend Leute, du hast tausend verschiedene Meinungen. In den USA beispielsweise haben wir davon gar nichts gehört, nur in Europa sind wir den Industrial-Sachen begegnet. Wir haben aber auch mit einigen Leuten dort gesprochen, die unsere ganz frühen Sachen kannten, sogar das erste Album und die B-Seiten. Deshalb haben wir in den USA wahrscheinlich nicht so viel darüber gehört.

Warum habt Ihr dann diese Richtung mit dem Album eingeschlagen?

Blackie: Wir haben acht Monate gebraucht, um alles zu analysieren, um herauszufinden, was wir letztendlich machen würden, und schließlich haben wir einfach nur gesagt: 'Egal, lasst uns einfach das machen, was sich ergibt', und was sich ergeben hat war das, was wir früher gemacht haben. Nachdem wir die Hälfte der Platte fertig hatten, marterte ich mich selbst, um herauszufinden, wie es klingen sollte. Wenn wir einfach nur das getan hätten, was uns als erstes eingefallen ist, dann hätte ich mir selbst alle Frustrationen sparen können. Es war eine dieser Entscheidungsfindungen, die dich aufzehren. Nachdem es getan ist, denkst du nur noch: 'Warum habe ich das getan? Es wäre so einfach gewesen, dem ersten Gedanken oder dem ersten Instinkt zu folgen'. Aber nein - das ist zu einfach, wir können nicht den einfacheren Weg gehen. Wir müssen uns selbst foltern.

Ihr habt also acht Monate gebraucht, um ...

Blackie: ... nur um es herauszufinden. Wir hatten bereits einige Sachen geschrieben und aufgenommen. Chris und ich sind im August '95 wieder zusammengekommen, haben aber ein Jahr lang nichts gemacht, da wir wussten, wir würden diese Zeit brauchen, um ein Album und eine Tour zustande zu bringen. Letztendlich haben wir eineinhalb Jahre gebraucht. Wir haben also im August 1995 mit dem Songwriting angefangen, und die Aufnahmen begannen in der zweiten Maiwoche 1996. Da haben wir mit der eigentlichen Arbeit begonnen, solange hat es gedauert.

Das ist ziemlich lange ...

Blackie: Ja, du sitzt da und denkst: 'Wäähh, was mache ich hier eigentlich?'...

Mikey Davis hat die 'Programmierung' übernommen - was genau war eigentlich sein Job bei der Platte?

Blackie: Der gleiche, den er auch schon bei 'Headless' hatte. Ich meine, er dreht einfach nur an den Knöpfen herum, er ist der Engineer. Er hat mit mir bereits auf 'Headless' und auf der 'Crimson Idol' zusammengearbeitet. Es kommt mir so vor, als wäre er schon ewig dabei. Er ist ein Teil der Familie. Er erfüllt jetzt die gleiche Funktion, die er bereits immer eingenommen hat. Ich werde ihn einfach nicht los.

Vielleicht können wir mal ein wenig über die Texte sprechen. Es gibt da einen Song "Fetus", über den ich gerne mehr erfahren würde, denn Ihr habt eine ziemlich ... - na ja, sagen wir mal 'herausstechende' Live-Performance was dieses Stück betrifft ...

Blackie: Tja, das sagt mir, das Du etwas darüber gehört hast. Was hast Du gehört?

Na ja, Ihr habt irgendeine Puppe auf der Bühne, die geschlachtet wird oder so. Ich weiß es nicht genau, ich habe nur Bilder von der Show gesehen ...

Blackie (atmet tief durch): Ich glaube, ich sollte zum Anfang zurückgehen und erklären, wie das alles funktioniert, denn mit dieser Frage, die Du mir gestellt hast, ist es so, als würde man mitten in einen Film hineingehen. Weißt Du, wenn jemand fragt: 'Was ist bisher passiert' - 'Na ja, schwer zu sagen, ich gehe mal zum Anfang zurück'. Am Anfang, als wir das erste Mal aufgetreten sind, trugen wir eine Theaterform vor - die uns vor allem immer von ALICE COOPER, KISS und davor sogar von ARTHUR BROWN unterschieden hat - die wir 'Psychodrama' nannten, und in Wirklichkeit 'Konfrontationstheater' ist, mit dem du Leute provozierst. Und was diese Art des Theaters von anderen unterschiedet - erinnerst Du Dich an das erste Mal, als Du ins Kino gegangen bist und einen Film wie "Der weiße Hai" oder "Platoon" gesehen hast? Wie Du dann aus dem Kino gekommen bist und dann dieses seltsame Gefühl hattest? Und Du wusstest nicht, was dieses Gefühl war, aber Du fühltest Dich einfach nur seltsam? Was es war ist eine 'emotionale Vergewaltigung'. Ein Filmemacher hat Dich auf eine emotionale Art und Weise vergewaltigt, es hat Dinge tief in Dir berührt, über die Du Dir nicht bewusst warst. Na ja, das ist 'Konfrontationstheater' in Form eines Filmes.

Was wir live machen, ist die gleiche Art des 'Konfrontationstheaters', aber es passiert live auf der Bühne. Um das zu tun, musst Du tief in die Köpfe der Menschen eindringen, Du musst einige Knöpfe drücken. Ich habe oft gesagt, dass das ultimative Kompliment für mich wäre, wenn die Leute aus der Halle hinausgehen, sie keinen Ton von sich geben und sehr still sind - es wie eine Katharsis ist, ein mentaler Orgasmus, wenn du willst - sie gehen hinaus und du kannst es in ihren Gesichtern sehen, dass sie den Film in ihren Köpfen zurückspulen: 'Was um alles in der Welt habe ich gerade gesehen?' - das ist es, was ich erreichen möchte. Es ist also egal, ob Du nach "Fetus" oder nach irgend etwas anderem fragst. Jetzt beantworte ich auch Deine Frage, aber ich musste Dir das alles erzählen, damit es Sinn macht. Wenn ich schreibe - wie bei dem Titel des Albums, "Kill, Fuck, Die" - spiele ich mit abstrakten Bildern, mit Worten. Wenn du dich mit abstrakten Vorstellungen beschäftigst, dann bedeuten Worte an sich nichts, wenn du sie aber zusammenfügst, dann beginnst du, ein Bild zu malen. Und wenn du die richtige Kombination von Worten findest, dann bewegt es die Menschen, sie setzen in ihren Köpfen ein Bild dessen zusammen, was es ihrer Ansicht nach ist, dass du gerade meinst. Und das versuche ich, ich spiele mit abstrakten Vorstellungen. Ich bin sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, den Leuten zu erzählen, was ich über einen Song wie "Fetus" denke. Ich habe auf diesem Album wahrscheinlich weitaus abstrakter geschrieben, als auf jeder anderen Scheibe zuvor. Denn es ist so wie mit jeder anderen Kunstform - wenn du den Leuten ganz genau sagst, was du meinst, dann raubst du ihnen ihre Phantasie. Und das möchte ich nicht machen. Ich möchte, dass sie es so interpretieren, wie sie es für richtig halten, was sie glauben, dass die hören oder sehen. Für mich ist es die schwierigste Kunstform, die Menschen emotional zu bewegen, und wenn du das schaffst, dann warst du erfolgreich, aber es ist sehr, sehr schwer. Ich weiß, dass viele Leute das jetzt lesen oder hören werden und denken: 'Wovon redet er? Das ist doch nur eine abscheuliche Rock-Performance'. Nein, ist es nicht, es steckt eine bestimmte Kunstform dahinter, die sehr schwer umzusetzen ist. Ich habe Bands gesehen, die versucht haben, das zu machen, was wir machen, und sie sind einfach nur abscheulich, um abscheulich zu sein, und das ist es einfach nicht. Du musst die richtigen Ideen haben, um die Menschen in ihrem Inneren zu berühren.

Ich weiß, dass ich Deine Frage nicht wirklich beantwortet habe, aber - wie schon gesagt - weigere ich mich, den Leuten zu sagen, was ich über einen Song wie "Fetus" denke, denn diese einzige Frage wäre ein komplettes Interview darüber, was ich in meinem Inneren empfinde. Manchmal, wenn ich Interviews auf einer Tournee mache, möchte ich über bestimmte Dinge nicht sprechen, über die man mich dann aber ein Jahr später fragen kann, wo ich es den Leuten dann auch erkläre. Es ist genauso, als würde jemand fragen: 'Was schenkst Du mir zu Weihnachten?' - 'Na ja, das werde ich Dir nicht sagen, weil es sonst keine Überraschung mehr wäre'. Als ich "Crimson Idol" gemacht habe, sogar bei "Headless Children", habe ich nicht jedem alles gesagt; ich bin aber ein oder zwei Jahre später zurückgekommen und habe diese Fragen beantwortet. Man würde alles weggeben, und das zerstört einen Teil der Kunst, denn - wie schon erwähnt - tausend Menschen haben tausend verschiedene Ansichten darüber, was sie gerade hören. Wir haben zuvor sechs Monate darüber gesprochen, wie die Show aussehen sollte. Wir wollten jegliche Langeweile vermeiden, deshalb haben wir uns dazu entschlossen, sie zu verändern. Wir wussten nicht genau, ob wir es jeden Abend tun würden, aber es war uns klar, dass sich diese Show in einem permanent weiterentwickeln würde, so dass sie im kommenden Jahr nicht genauso ist wie heute. Wir versuchen heute Abend etwas, was wir noch nie zuvor gemacht haben, und ich hoffe, es funktioniert. Aber wir wollten einfach nicht immer wieder das gleiche machen. Ich gebe Dir aber einen kleinen Tipp, dass das ("Fetus") heute nicht Teil der Show sein wird. Du hast es also verpasst.

Aber Du kannst immer verschiedene Knöpfe drücken ...

Blackie: Das stimmt, und manchmal weißt du auch nicht genau, welche Knöpfe du drückst ...

Genau ...

Blackie ... und ich teile jetzt ein kleines Geheimnis mit Dir, was ich vielleicht nicht tun sollte, aber als wir wieder zusammengekommen sind, haben wir uns gesagt: 'O.k., wir wollen nicht, dass dieses nur eine Reise voller Reminiszenz ist, sondern wenn wir dieses machen und es wirklich wieder W.A.S.P. sein soll, dann müssen wir die widerlichste, stinkigste, dreckigste Band auf diesem Planeten sein'. Aber wir mussten auch das Theater weiter vorantreiben, als es bisher getan wurde, sogar weiter, als wir damit gegangen waren, und wir wussten nicht genau, wie weit es gehen würde. Das wissen wir immer noch nicht, wir versuchen immer noch, das herauszufinden. Wir wissen nicht, wie viel zu viel wäre. Irgend jemand sagte: 'Jeder mit einem gesunden Menschenverstand kann das sagen.' - Ja gut, wenn Du aber versuchst, etwas Künstlerisches zu machen, dann ist es wie mit dem alten Sprichwort: 'Um ein Omelett zu machen, musst du einige Eier zerbrechen'. Und eines kann ich Dir sagen, wir haben mehr als nur einige Eier auf dieser Tournee zerbrochen. Wir wissen aber immer noch nicht genau, was wir machen sollen. Ich weiß, dass es sich permanent weiterentwickeln wird, egal, was auch passiert, aber es ist sehr intuitiv von dir, das ist jetzt schon die zweite Frage ... weil du Recht hast, es gibt nicht zwei Leute, die gleich darauf reagieren werden, und wenn ich dich richtig verstehe, dann sagst Du mir, dass die Knöpfe, die man drückt, nicht immer die guten sind, sondern auch anstößige.



Na ja, die PMRC hat es sicherlich ganz anders aufgefasst als Eure Fans ...

Blackie: Ja, aber das sind ältere Menschen, die Kindern sagen, was sie sich anhören sollten und was nicht, das wird auch immer so sein. Rock 'n' Roll ist die 'Seele der Rebellion'.

Aber Du hattest doch sicherlich eine genaue Vorstellung davon, was die Texte und die Live-Show in den Leuten hervorrufen würde?

Blackie: Dabei sind wir sehr, sehr vorsichtig. Wie schon gesagt, ich habe Bands gesehen, die versucht haben, das zu machen, was wir machen, und sie machen alles, was sie für widerlich halten, aber so funktioniert das nicht. Wenn ein Filmemacher, jemand wie Oliver Stone, einen Film produziert, und du gehst danach mit diesem seltsamen Gefühl aus dem Kino, dann denkst du dir: 'Warum fühle ich mich jetzt so?' - das ist kein Zufall. Er hat sich selbst zermartert, um jede einzelne Szene so zu gestalten, und es ist sehr, sehr schwierig, so etwas zu machen. Ich habe kein Privatleben, weil ich meine ganze Zeit darauf verwende. Viele Leute fragen mich: 'Bist Du verheiratet?', dann antworte ich: 'Ja, ich bin verheiratet - mit meiner Karriere'. Ich habe keine Zeit, etwas anderes zu machen. Es wird oft gesagt, dass die großartigste Sache, mit der jemand gesegnet ist, eine Obsession ist. Wenn das wahr ist, dann bin ich wirklich gesegnet. Sogar so sehr, dass es zeitweise schmerzt.

Wirklich?

Blackie: Ich habe kein Privatleben. Das soll sich jetzt nicht so anhören, als würde ich mich darüber beschweren, denn das tue ich nicht. Ich hatte sehr viel Glück, meinen Lebensunterhalt mit dem verdienen zu können, was ich mache. Ich mache etwas, das weniger als ein Prozent der gesamten Bevölkerung auf dieser Erde macht, und ich bin wirklich dankbar, eine Karriere daraus gemacht haben zu können. Man sagt, dass einer von einer Million einen Plattenvertrag bekommt. Von denen macht dann jeder ungefähr 1,2 Platten oder so. Ich hatte also wirklich sehr viel Glück, deshalb beschwere ich mich auch nicht. Ich wünschte nur, ich könnte mich zweiteilen, damit ich auch noch einige andere Dinge tun könnte, die mir Spaß machen würden.

Ist Musik eine Kompensation für Dich?

Blackie: Wenn sie gut ist, denn darum geht es. Wenn ich eine Scheibe mache, dann denke ich an nichts anderes mehr und deshalb ist es auch schwer für mich, eine Beziehung zu führen. Ich lebe in meiner eigenen Vorstellung. Das war bereits so, als ich noch ein kleiner Junge war, und es brachte meine Mutter zum Ausflippen, weil ich stundenlang nur gen Himmel gestarrt habe. Wenn ich mich in meine Spielzeugkiste zurückziehe, dann bleibe ich Monate dort und komme nicht heraus. Ich meine, Du bist eine Frau, Du weißt sicherlich, dass Frauen das nicht besonders mögen, denn nach einiger Zeit sagen sie (Blackie klopft gegen die Wand des Raumes): 'Hallo, jemand Zuhause?' - 'Häh, 'tschuldigung. Äh, ja, ich bin hier. Geh' weg, lass mich in Ruhe, ich spiele gerade'. Es ist wirklich sehr schwierig, eine Beziehung zu haben, aber wenn die Musik oder die Show oder was auch immer man gerade macht, wirklich gut wird, dann ist es die Belohnung für die ganze Mühe. Als ich "Headless Children" und "Crimson Idol" gemacht habe und diese beiden Platten fertig waren, wusste ich, was ich hatte. Ich wusste, das sie gut waren und das war die Belohnung dafür. Dass die Welt dir auch noch Geld dafür gibt oder die Kritiker die Scheibe loben - das ist etwas Zusätzliches. Ich lebe in meiner eigenen Welt und ich werde auch noch dafür bezahlt. Der härteste Teil ist aber die Kunstform. Wenn wir früher Platten gemacht haben, dann haben wir nur Musik gemacht. Irgendwann habe ich dann aber eine sehr schlechte Scheibe gemacht und das hat mich so fertig gemacht, dass ich nie wieder einfach so Alben machen kann, denn für mich sind sie jetzt so etwas wie kleine Zeitkapseln, und was auch immer du machst, sie werden für die Ewigkeit sein, deshalb solltest du sie mögen. Wenn ich an diese schlechte Scheibe denke - welche "Inside The Electric Circus" war - ich kann sie mir bis heute nicht anhören, ich hasse sie. Erinnerst Du Dich, was ich über die Chemie zwischen zwei Menschen gesagt habe? Ich respektiere Plattenproduktionen jetzt als Institution, was ich am Anfang nicht getan habe, und weil ich es so sehr respektiere, quält es mich auf eine sehr schonungslose Art und Weise, und ich kann nicht ruhen, bevor der Job erledigt ist. Wenn es sich dann als gut herausstellt, dann kann ich es mir wieder anhören und denke: 'Ja, ich habe das erreicht, was ich erreichen wollte'. Es mag vielleicht nicht perfekt sein, denn es ist niemals perfekt. Das ist auch der Teil, der mich zum Wahnsinn treibt, weil ich es immer perfekt machen will. Ich habe einmal ein Zitat gelesen, was mir einfällt, wenn ich dieses Poster sehe (Blackie deutet auf ein Charlie Chaplin Poster an der Wand gegenüber). Charlie Chaplin hat einmal ein sehr berühmtes Zitat über sein Leben geäußert. Er sagte: 'Ich habe es nie wirklich richtig machen können. Ich war so viele Male wirklich nahe, aber ich habe es nie richtig gemacht'. Für jeden seiner Fans mag dies seltsam erscheinen: 'Wovon redet er, das ist doch großartig'. Er aber wusste, wie die Dinge wirklich liegen, er kannte den Unterschied zwischen dem Richtigen und davon, nur nahe dran zu sein. Er bezeichnete es als 'die schönste aller Frustrationen', und das ist eine unglaubliche Art und Weise es auszudrücken. Denn es ist wirklich so, wenn du so verzweifelt versuchst, etwas so gut wie möglich zu machen. Es treibt dich zum Wahnsinn.

Man hört das ziemlich oft von Musikern, die sagen, dass sie nie wirklich zufrieden sind mit dem, was sie machen, dass sie vielleicht zurückschauen und sagen: 'Ja, das ist das Beste, das ich machen kann'. Es gibt immer den nächsten Schritt, den sie vor sich sehen, es gibt immer mehr, das sie erreichen wollen. Hast Du das Gefühl auch oder ...

Blackie: ... wahrscheinlich aus anderen Gründen, denn ich betrachte Musik anders als andere Musiker, das weiß ich genau. Ich spiele viele verschiedene Instrumente, aber ich denke nicht wie Jazz-Musiker oder auch andere Rockmusiker. Ich sehe die einzelnen Instrumente als Werkzeug, das auszudrücken, was ich darstellen möchte, weil ich wie ein Sänger denke. Auch wenn ich all diese verschiedenen Instrumente spiele, sehe ich die Stimme als ein Mittel das zum Ausdruck zu bringen, was ich denke. Für mich beginnt das Songwriting also mit dem Gedanken, nicht mit der Musik. Ich denke also ganz anders als die meisten anderen Musiker. Musiker sitzen normalerweise zusammen und reden über verschiedene Riffs und Ähnliches, bei mir ist das aber nicht so, da ich mir darüber Gedanken mache, wie ich es schaffen kann, Leuten das nahe zu bringen, was ich gerade empfinde. Das ist es, worum es beim Songwriting geht. Das ist sicherlich nicht für jeden so, und darüber bin ich eigentlich sehr froh, dass es bei mir anders ist: 'Das ist das, was in meinem Kopf und in meinem Herzen gerade passiert'. Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, die englische Sprache zu studieren, und es nervt mich ziemlich an, weil ich meine ganze Zeit damit verbringe. Wenn ich dann in ein anderes Land fahre, dann sprechen alle Leute Englisch, ich hingegen beherrsche aber nicht die Muttersprache des jeweiligen Landes. Mir ist das ziemlich peinlich, weil ich der Meinung bin, ich müsste mit allen in ihrer jeweiligen Heimatsprache kommunizieren können. Ich habe meine ganze Zeit damit verbracht, Englisch zu studieren, und es ist bei jeder Sprache so - keine zwei Wörter haben die gleiche Bedeutung, es gibt verschiedene Färbungen, und obwohl diese Verschiedenheiten sehr gering sein mögen, so sind sie doch vorhanden. Für mich ist der Unterschied zwischen dem richtigen und dem falschen Wort sehr groß. Um also jemandem ganz genau zu vermitteln, was ich gerade fühle, dann ist jedes einzelne Wort, was den Texten beigefügt wird, sehr, sehr wichtig. Für mich gibt es keine überflüssigen Worte. Ich habe einen Karriereweg eingeschlagen und versuche, die Leute das fühlen zu lassen, was ich gerade empfinde, und der beste Weg ist, die richtigen Wörter auszuwählen. Die Musik wird dann der Soundtrack zu diesem kleinen Film, der sich in diesem Moment in meinem Kopf abspielt. Ich weiß wirklich nicht, wie viele Musiker das so sehen, aber - wie schon erwähnt - ich betrachte es aus der Sicht eines Sängers, eines Autoren, wie auch die Leute, die Bücher schreiben und die Musik sich dann zum Hintergrund des Gedankens entwickelt.

Na ja, ich glaube nicht, dass es so viele Musiker oder sogar Autoren gibt, die sich hinsichtlich ihrer Arbeit Gedanken über Semantik machen ...

Blackie: Es ist eine Tortur, denn ich sitze oft da und starre das Papier und das, was ich geschrieben habe, an. Wochen, Monate. Kennst Du "Crimson Idol"? (Klar). "Hold On To My Heart"? (Sicher).


Ich habe Monate gebraucht, um diesen Text zu schreiben. Ich habe den größten Teil des Songs geträumt, denn manchmal träume ich etwas, das dann zu einem Stück wird. Bei "Headless Children" habe ich den Text des gesamten Stückes geträumt. Das passiert vielen, die Stücke schreiben, das ist nichts Außergewöhnliches. Aber ich wachte um 9 Uhr morgens auf und der komplette erste Vers war da, 'There is a flame, a flame in my heart ...' - für mich war es wie ein Geschenk. Der Rest aber ... Obwohl ich genau wusste, was ich zum Ausdruck bringen wollte ... Das wird jetzt unter Umständen etwas zu technisch, aber wenn man sehr langsame Stücke schreibt, muss man sehr viele Gefühle in sehr wenige Worte hineinlegen, denn bei langsameren Stücken nimmt man ein Wort und streckt es, um es so singen zu können. Das war auch Mozarts Argument, denn er bevorzugte Latein im Gegensatz zu Deutsch, weil Ihr so viele Konsonanten habt, was die Sprache sehr hart klingen lässt. An diesem Punkt gestaltet sich die ganze Sache dann sehr schleppend, wenn du ein einziges Wort singst und eine Melodie aus einem einzelnen Wort herausholen möchtest, im Gegensatz zu mehreren zusammengefügten Wörtern, dann hast du nur sehr begrenzte Möglichkeiten das auszudrücken, was du sagen willst. Und ich habe Monate daran gearbeitet. Ich kannte zwar den Gedanken und den Versuch, der dahinter steckte, aber es war so, als würde man versuchen, einen Hund, der sich einfach nicht bewegen will, einen Hügel hinaufzuziehen. Wenn du im Gegensatz dazu etwas machen möchtest, das sehr 'percussive' klingt, ist es einfacher, weil du viel mehr Wörter zur Verfügung hast, mit denen du arbeiten kannst. Mit weniger Wörtern aber schleppt es sich dahin. Es ist wirklich nicht so, als wüsste ich nicht genau, was ich sagen wollte, - das weiß ich sehr genau - aber dann findest du bestimmte Worte, die gut klingen würden, aber nicht zur Musik passen, und du denkst nur noch: 'Scheiße'; dann steht die Poesie gegen die Musik und es passt einfach nicht zusammen. Man möchte einfach nur noch heulen. It's a killer.

Du hast eben "Crimson Idol" angesprochen - für mich schien es das persönlichste Album zu sein, das Du je gemacht hast ...

Blackie: Das letzte Album war das persönlichste, denn Du musst in Betracht ziehen, dass ich nicht das "Crimson Idol" bin. Ein wenig von mir ist dabei. Jonathan ist eine Verbindung von verschiedenen Leuten, die ich aus der Musikszene kenne. Ich nahm einen Charakterzug von diesem Menschen, ein wenig von mir und vereinte es in Jonathan. Jonathans Beziehung zu seiner Mutter - das bin sicherlich ich. Meine Mutter und ich sind nie miteinander ausgekommen, es war halt so. Und alles, was 'Chainsaw Charlie' betrifft - das bin ich auch. Aber alles andere, wie zum Beispiel seine Suizidgedanken, die Beziehung zu seinem Vater, das ist kein Teil von mir. Ich komme hervorragend mit meinem Vater aus. Als ich hier in Köln war (beim vorletzten Male), habe ich ihn rübergeholt, es war sein erster Besuch in Europa. Trotz allem aber musste ich zu diesem Kind werden, und nachdem ich zwei Jahre damit verbracht habe, diese Platte zu machen, war ich zum Ende der Arbeit verrückt, weil ich zu dieser Person geworden war. Weißt Du, Schauspieler bezeichnen das als 'method acting'. Jedes Mal, wenn ich in einen Plattenladen durchstöbere und ich diese Scheibe entdeckte, dann war ein Lächeln auf meinem Gesicht. Es ist fast so, als würdest du eine Person betrachten, in die du zu einem gewissen Zeitpunkt in deinem Leben unsterblich verliebt warst. Wenn du alte Fotos betrachtest, die du Zuhause hast, und ein Lächeln ergreift dich, aber es ist gleichzeitig ein trauriges Lachen. Denn der Schmerz, den es kostete, die Platte zu machen, war unglaublich, und ich weiß wirklich nicht, ob ich es jemals wieder schaffen werde, ein solches Album zu machen, denn - wie schon gesagt, in einer Zeile auf dem "Still Not Black Enough"-Album heißt es: 'Hier ist ein Teil von mir'.

Ich baue zur Zeit ein Haus in Los Angeles, und ich habe die letzten zehn Jahre mit den Planungen dafür verbracht. Es ist eines dieser Dinge im Leben, von denen du weißt, dass du sie nur ein einziges Mal machen wirst. Ich bin ein Perfektionist, ich bin einer dieser Menschen, die verflucht sind - entweder ist es gut oder ich bin nicht zufrieden damit - und deshalb habe ich viel Zeit für das Design aufgewendet. Ich weiß ganz genau, wie es aussehen soll, und es war ein solcher 'Krieg', alles fertig zu stellen, was im November der Fall sein sollte. Ich weiß aber, dass wenn die Arbeit an dem Haus beendet sein wird, ich das gleiche Gefühl wie bei "Crimson Idol" haben werde, weniger Stolz und ein Glücksgefühl, sondern vielmehr Erleichterung, dass es vorbei ist, nachdem man so lange gekämpft hatte, um es perfekt zu machen. Wenn ich jetzt auf "Crimson Idol" zurückblicke, bin ich zwar sehr zufrieden, aber es ist wie mit dem Foto der Person, die du geliebt hast - wie gesagt, ein Lächeln, wenn du es betrachtest, du merkst, wie dein Adrenalin ansteigt. Das passiert jedes Mal, wenn ich das Cover dieses Albums sehe. Es ist gut, aber es raubt dir deinen Atem. Es ist eines dieser Dinge, die man selbst erlebt haben muss, um es wirklich zu verstehen.

Mir erscheint es wie ein permanenter Kampf in Dir ... ?

Blackie: ... ein konstanter. Ich hasse es. Ich liebe es, aber gleichzeitig hasse ich es.

Es raubt dir sicherlich viele Energien ... ?

Blackie ... einfach ermüdend.

Glaubst du denn, dass Du jemals Frieden mit Dir selbst schließen kannst? Nur einen kleinen Punkt in Dir selbst, in Deinem Leben, bei dem Du sagen kannst: 'OK, ich habe dieses erreicht, ich habe jenes erlangt, ich kann zufrieden mit dem sein, was ich habe'.

Blackie (Atmet noch tiefer durch): Im Jahre 1990 habe ich mich selbst auf einen Kamikazekurs gebracht, von dem ich glaubte, dass er drei Jahre andauern würde. Das Haus war ein Teil davon, auch "Crimson Idol". Ich habe ein Aufnahmestudio gebaut und ich war in einer Beziehung, die zwar nicht gehalten hat, ich hatte aber viele Dinge, die ich gleichzeitig tun wollte. Es gab noch einige Immobilienanlagen, mit denen ich beschäftigt war - ich machte diese Platte, "Crimson Idol" - die wahrscheinlich das größte persönliche Statement meines Lebens werden sollte, aber es erschien mir schon fast wie ein Hobby, weil so viel anderer Mist zu dieser Zeit passierte. Mein Vater ging gerade durch eine absolut furchtbare Scheidung ...

... das amerikanische Rechtssystem ...

Blackie: Gott, es war furchtbar, es war schrecklich, und ich versuchte, diese Platte zu beenden. Ich war in Kalifornien, er war in Florida und musste diese Scheidung ertragen. Ich bekam jeden Tag Anrufe von seinem Rechtsanwalt und ich war kurz davor, jemanden zu erschießen, wirklich. Ich gebe Dir ein Beispiel: Da ist dieses kurze Akustik-Gitarrenriff zu Beginn der Scheibe, wo der Junge sagt; 'I'll be alone this morning ...' - ich habe 67 Takes gebraucht, um diesen kleinen Gitarrenpart einzuspielen, der nicht so schwierig ist - acht Stunden, nur wegen eines Anrufes, den ich etwas früher von seinem Anwalt erhalten hatte. Ich bin ausgerastet, ich konnte mich nicht konzentrieren, ich war kurz davor, eine Pistole zu nehmen und jeden zu erschießen. Und wenn ich mir heute dieses Riff anhöre, dann denke ich ... ich kann mir diesen Song wirklich nicht anhören, weil er mich an diesen Tag im Studio erinnert.

Egal, ich habe mich jedenfalls auf diesen Kamikazekurs gebracht, der drei Jahre dauern sollte. Es wurden sechs. Und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich müde bin, all dies zu tun und es dringend notwendig ist, mein Leben zu verändern, denn genug ist genug. Ich bin fast dort angelangt, wo ich hinkommen möchte, aber ich brauchte dafür zweimal so lange, wie ich gedacht habe, bis alles finanziell geregelt war und ich mir für den Rest meines Lebens keine Sorgen mehr machen musste. Es war eine harte Zeit. Ich bin jetzt fast am Ziel angekommen, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich in einem Kampf gefangen war. Und jetzt geht es darum: 'Wer gewinnt?' - ich weiß es nicht. Ich werde dort ankommen, wo ich hin möchte, aber ich musste einiges einstecken. Und dann fragst du dich: 'War es das alles wert?' Das ist die nächste offensichtliche Frage, oder? Ich konnte diese Frage nicht beantworten, weil ich danach ein Jahr lang verrückt war. Wenn ich jetzt zurückschaue: 'Ja, es war das alles wert'. Trotzdem kehren bittersüße Erinnerungen zurück und ich glaube, dass es bei allen anderen Dingen, die ich in meinem Leben unternehme, genauso sein wird: 'Ja, ich habe das erreicht, was ich erreichen wollte, aber welchen Preis habe ich bezahlen müssen?'. 'Kannst Du die Dinge, die Du nun hast, überhaupt genießen, wenn sie Dich immer an die Schmerzen erinnern, die Du erlitten hast?' - ich weiß es nicht, diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich kann es einfach nicht. Aber ein Teil von mir wird nicht aufgeben. Wenn Du mich diese Frage in zwei Jahren fragen wirst, dann werde ich sie Dir hoffentlich beantworten können. Ich weiß es einfach nicht.

Du sprachst von Deinem Ziel - wie sieht es aus?

Blackie: Das ist der Teil, den ich nicht beantworten kann. Ich habe fast alles erreicht, was ich erreichen wollte, aber ich kann Dir nicht sagen, wie es aussieht. Ich bin mir sicher, dass wenn jemand diesen Raum betritt, dann würde er sagen: 'Wow, das ist großartig', aber wenn etwas so schmerzhaft war, weil es so schwierig zu tun war, dann tendierst du einfach dazu, den Schmerz zu sehen, sobald du etwas betrachtest. Genau wie mit diesem Foto, du schaust dir diese Person an und sagst: 'Ja, das war hart'. Ich weiß es nicht, wirklich nicht.


Du hast sehr oft erwähnt, dass Du einige 'Knöpfe' drücken möchtest - um noch einmal darauf zurückzukommen. Mir erschien es immer so, - aber das ist jetzt meine ganz persönliche Interpretation - dass Du immer auf etwas hinweisen wolltest, damit die Leute sich über bestimmte Dinge bewusst werden, über bestimmte Dinge des Lebens, über die Gesellschaft, über Menschen - alles, was generell mit dem Leben zu tun hat. Glaubst Du, dass - mit allem, was und wie Du es tust, wie Du Deine Texte schreibst, die Shows, die Musik - dieses ein Weg ist, die Menschen auf etwas aufmerksam zu machen?

Blackie: Falls es das ist, dann mache ich es sehr schlecht, denn Deine Aussage zeigt mir, dass Du etwas verstehst, das weniger als ein Prozent der Leute versteht, die mich interviewen. Aber ich habe mittlerweile auch herausgefunden, dass das eine weitere, sehr frustrierende Sache ist, denn als wir das erste Album gemacht haben, arbeitete ich sehr lange an den Texten. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich Chris gesagt habe - zu dem Zeitpunkt, als wir das zweite Album anfangen wollten - 'Weißt Du, niemand schenkt diesen Texten Aufmerksamkeit, sie hören nur "I Wanna Be Somebody" und hören sich nichts anderes wirklich an', denn obwohl diese Texte im Bezug auf den dahinterstehenden Gedanken vielleicht auch nicht sehr tief gewesen sind, waren viele von ihnen doch ziemlich clever, und ich dachte nur: 'Niemand hört sich diese Sachen an'. Dann sagte ich zu Chris: 'F*ck it. Ich werde mich auf dieser Scheibe nicht selbst martern, ich schreibe einfach das, was kommt'. Und das habe ich versucht, aber ich konnte es einfach nicht. 'Das ist großer Mist, das kann ich nicht machen.' Also sagte ich: 'Wenn ich es schon nicht für sie mache, dann mache ich es wenigstens für mich.' Na ja, irgend etwas passierte, was ich aber nicht realisierte, und das war, dass weitaus mehr Leute zuhörten, als ich gedacht hätte. Es war eine gute Sache, dass ich es für mich getan habe, anstatt für andere, denn ich wurde oft gefragt: 'Warum habt Ihr Deiner Ansicht nach eine so solide Fan-Basis?', und ich glaube, dass es eben wegen dieser Texte ist. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das ist der Grund dafür, weil ich bereit war, einen Teil meiner Selbst mit anderen zu teilen, und viele Künstler wollen das nicht, weil es sehr schmerzhaft ist und sie auch vermeiden wollen, dass andere etwas über ihr Privatleben erfahren. Wenn du aber Leute auf eine Reise mitnehmen willst, auf eine lebenslange Reise, dann musst du bereit sein, mit ihnen Deine Gedanken zu teilen. Viele Leute weigern sich, das zu tun. Ich habe damit aber keine Probleme, weil es meine Art und Weise ist, mit ihnen intim zu sein. Und solange ich das nicht mit ihnen teilen möchte, werden sie mich niemals kennen lernen.

Wie schon gesagt, ich habe sehr viel Zeit damit verbracht, das zu tun und die Texte so zu schreiben und ich bin sehr froh, dass ich es so gemacht habe, aber diese Songs - selbst die Show, die Show sogar noch mehr als die Songs - sprechen die Leute auf verschiedenen Ebenen an. Du hast gerade etwas gesagt, das sehr intuitiv war, Du sagtest: 'Verstehen die Leute, dass Du versuchst, einen soziales Urteil abzugeben oder Leute auf etwas aufmerksam machen möchtest?' Das ist genau das, was ich mache, aber ich spreche nicht sehr viel darüber, weil es sich wie eine Predigt anhören würde. Ich habe - auch bei "Fetus" - sehr genaue Vorstellungen von dem, was ich vermitteln möchte, aber ich werde es nicht auf ein Stück Papier setzen und es jemandem ins Gesicht schlagen: 'Hey, hier ist es, schau' es Dir an!' Ich habe angefangen, die Sache so anzugehen, als wir "Headless Children" begonnen haben. Früher habe ich so geschrieben, dass alles 'wörtlich' gesehen werden konnte, in seiner exakten Bedeutung. Später aber begann ich, abstrakter zu schreiben. Als ich dann "Headless Children", und später auch "Crimson Idol" schrieb, habe ich mir die - meiner Ansicht nach - besten Werke der Weltliteratur angesehen, die Bibel und Shakespeare. Und was beide gemeinsam hatten war, dass sie in Form von Rätseln verfasst waren, mit den beinhalteten Aussagen fragten sie eher als dass sie Antworten gegeben hätten. Ich dachte, das ist ziemlich gut, und beide waren ja auch sehr lange ziemlich erfolgreich. Also dachte ich: 'Gut, danach richte ich mich jetzt'. Und so schrieb ich in genau diesem Stil, dass man glaubt, ich sage etwas aus, obwohl ich eigentlich mehr Fragen stelle als Antworten gebe. Ich meine, alle Antworten sind da, aber es ist sehr schwer, sie zu finden. Ich wollte kein 'Fast Food für die Ohren' schaffen. Es ist in vielerlei Hinsicht sehr frustrierend.

Und um Deine Frage zu beantworten - einige sehen es, einige nicht, sehr wenige verstehen es, weniger als ein Prozent verstehen das, was Du gerade gesagt hast, aber dann gibt es auch andere Leute, - die große Mehrheit der Leute - die es von der lyrischen Seite angehen, und dann begreifen es einige nur auf der musikalischen Ebene. Aber ich glaube, es gibt nur sehr wenig Leute, die wirklich verstehen, was ich denke.
Vielleicht werden sie es nachvollziehen können, wenn sie älter geworden sind, aber die meisten Leute verstehen, glaube ich, nicht, was ich denke. Um Dir ein Beispiel zu geben - als wir mit der Tour begannen, habe ich gesagt: 'Ich werde mich nicht für das, was wir in der Show machen, rechtfertigen', ich wollte es in keiner Weise verteidigen, denn dann hätte es so ausgesehen, als ob ich es verteidigen wollte. Ich habe nur gesagt: 'Wir erklären einfach nur, dass jeder den Hamburger oder das Steak möchte, aber keine möchte wissen, wie die Kuh geschlachtet wird.' Und wenn das wahr ist, dann zeigt es mir, dass die Leute in vielen Aspekten sehr heuchlerisch sind. Bevor jemand mit dem Finger auf mich zeigt, sollte er besser einmal darüber nachdenken, was er selbst macht. Aber das ist alles, was ich dazu sagen werde, denn sonst würde es sich so anhören, als ob ich predigen wollte.

Jeder interpretiert die Dinge anders, und ich habe sicherlich meine eigene Version der Dinge. Einige Leute haben ja ständig versucht Dir zu sagen, wie Du dieses oder jenes machen solltest, um so Kontrolle darüber zu erlangen - zum Beispiel "Tipper Gore", die vorgibt, was im kulturellen Bereich erlaubt werden sollte und was nicht ....

Blackie: Wenn Du sagst, Dir hat gefallen, was ich tat - was genau meinst Du?

Dass Du Deinen Weg weitergegangen bist, obwohl einige Regierungsinstanzen versucht haben zu intervenieren ...

Blackie: ... das geht zurück auf das, was ich über die Arbeit am ersten Album gesagt habe, als ich die Texte schrieb und gesagt habe, dass niemand zuhört. Sie taten es, aber ich bekam keine direkte Reaktion darauf. Ich habe Jahre gebraucht, um das zu realisieren, aber aus dem gleichen Grund habe ich einfach das weitergemacht, was ich die ganze Zeit über bereits tat. Aber zurückblickend muss ich sagen, dass ich eine Sache bereue - ich hätte definitiv mehr sagen sollen, als ich es getan habe. Ich dachte, ich sollte die Musik und die Texte für sich selbst sprechen lassen, trotzdem hätte ich offenerer damit umgehen müssen. Denn ich sehe, was jetzt in den Staaten mit MARILYN MANSON passiert, und ich verstehe es. Vor einigen Wochen sollten sie irgendwo in North oder South Carolina spielen. Daraufhin hat sich die Stadt versammelt, um Geld zusammenzubringen. Das wurde der Band dann ausgehändigt, damit sie dort nicht auftreten würden. Und sie nahmen das Geld. Was mich aber an der Sache gestört hat war, dass er jetzt genauso alt ist, wie ich vor zehn Jahren, er ist jetzt 28. Als ich 28 Jahre alt war, habe ich so ziemlich das gleiche gemacht. Was ich damit versuche zu sagen ist, dass ich ihn wirklich respektiere und glaube, dass er sehr intelligent ist. Ich habe ihn zwar nie getroffen, ich habe nur Interviews gelesen, die er gegeben hat, und es stört mich ganz einfach, dass er diese Leute nicht ernst genug nimmt - das habe ich damals auch nicht. Es ist nicht so, dass es ihn überhaupt nicht tangiert, er macht nur keine große Sache daraus. Ich habe genauso gehandelt. Wenn ich aber jetzt zurückschaue - es ist eine sehr große Sache. Besonders in Amerika, wenn man sich einmal unsere Verfassung ansieht - der erste Artikel unserer Verfassung garantiert Redefreiheit. Und diese Leute - egal, ob es die PMRC ist oder wer auch immer es jetzt macht oder es morgen macht - diese Leute wollen die amerikanische Fahne hissen und dir sagen, dass sie die Verteidiger der Verfassung sind, obwohl sie in Wirklichkeit die Zerstörer dieser sind. Ich verstehe jetzt einfach besser, womit ich es zu tun habe. Aber das ist in Ordnung, denn er ist jünger. Ich weiß ganz genau, was er durchmacht, denn ich habe vor zehn Jahren das gleiche durchgemacht, und es gibt nicht zehn Leute, die den Weg gegangen sind, den er gerade geht. Und ich kenne es, denn es gibt nur mich, Alice Cooper, Gene Simmons, Ozzy Osbourne, Dee Snider, es gibt nicht viele andere. Ich weiß auch; wie es ist, dreimal angeschossen zu werden oder mehr Todesdrohungen zu bekommen, als ich zählen kann, auch Bombendrohungen und so weiter. Nach einer Weile verdreht es dir wirklich den Kopf. Ich weiß also genau, was er gerade durchmacht. Ich hätte es aber ernster nehmen müssen als ich es getan habe, und ich bin vorbereitet, wenn wir im nächsten Monat zurück nach Amerika gehen werden.

Im nächsten Monat?

Blackie: Ja, wir starten am 8. Juni in Philadelphia. Ironischerweise der Ort, wo die amerikanische Verfassung verabschiedet wurde. Ich habe nicht einmal darüber nachgedacht. Wie angemessen!

Ja, vielleicht könnt Ihr ja ein Open Air direkt neben der Unabhängigkeitsglocke veranstalten ....

Blackie: Ja, wirklich, wir werden die Glocke für jeden läuten ...


Вложения:
WASP-Blackie-lawless.gif
WASP-Blackie-lawless.gif [ 64.6 KIB | Просмотров: 907 ]

_________________
...Лучше обезуметь от счастья, чем от неудач, лучше неуклюже танцевать, чем ходить, прихрамывая.
Вернуться наверх
 Профиль  
 
Показать сообщения за:  Сортировать по:  
Начать новую тему Ответить на тему  [ 1 сообщение ] 


Кто сейчас на форуме

Сейчас этот форум просматривают: в данный момент нет пользователей ОНЛАЙН и гости: 1


Вы не можете начинать темы
Вы не можете отвечать на сообщения
Вы не можете редактировать свои сообщения
Вы не можете удалять свои сообщения
Вы не можете добавлять вложения

Найти:
Перейти:  

cron


Форум Русского Фан сайта группы W.A.S.P. и Blackie Lawless, Chris Holmes | Russian W.A.S.P. Fan Site Forum waspzone.ru © 2010-2020 by LexaStarZ

WASPZONE.ru